Auch konventionell wirtschaftende Landwirte können denken!

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Aug. 212007
 

In der letzten Zeit wurde ja des öfteren der Eindruck erweckt, dass nur Ökoextremisten und weltfremde Spinner sich gegen die so genannte „grüne“ Gentechnik zur Wehr setzen würden. Auch die schleswig-holsteinische FDP-Bundestagsabgeordnete Christel Happach-Kasan versuchte Lobbyarbeit für die Gentechnik-Konzerne zu leisten, beispielsweise indem sie die Haftungsfrage zu deren Gunsten zu drehen versuchte oder die Abstandsregeln für Genpflanzen aufweichen wollte. Weiterhin versuchte sie, die Verbreitung genmanipulierter Pflanzen als Umweltschutz zu verkaufen. Schlussendlich soll vor allem der Eindruck erweckt werden, die konventionell wirtschaftende Landwirtschaft stehe geschlossen und vor allem kritiklos zum Einsatz der Gentechnik.

Dass dieses bei weitem nicht so ist, verdeutlicht der Artikel „Grüne Gentechnik – überflüssig und gefährlich“ von Karsten Jennerjahn des Präsidenten des Bauernbundes Brandenburg e.V., den ich heute bei Genfood gefunden habe. Jennerjahn, der einem Bauernverband vorsteht, der sich selbst als „christlich – konservativ – heimatverbunden“ bezeichnet, der selbst einen konventionellen Bauernhof von 380 Hektar bewirtschaftet, schreibt demzufolge in der Bauernzeitung:

Nur eine kleine Zahl sogenannter innovativer Landwirte fordert medienwirksam Erleichterungen für den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen. Andererseits befinden wir uns mit unserer Ablehnung in einer Front mit Grünen, Verbraucher- und Umweltschützern – mit Gruppen also, die in der Vergangenheit nicht immer unsere Freunde waren. Deshalb: Wir müssen in der öffentlichen Diskussion unsere eigenen Gründe deutlicher formulieren und artikulieren. Das will ich hier versuchen.

Mit dieser Aussage wird klar:

1. Dieser Mann kämpft mit sich selbst, fühlt sich in einer gemeinsamen Front mit Grünen, Verbraucher- und Umweltschützern sichtlich unwohl. Erkennbar haben wir es mit keinem radikal-ökologischen Spinner zu tun.

2. Er selbst sieht selbst unter konventionellen Landwirten die Befürworter der so genannten „grünen“ Gentechnik klar in der Minderheit.

In seinen Augen stellt sich also die Situation ganz anders dar, als uns Konzerne wie Mosanto oder ihre Lobbyisten glauben machen wollen. In seinen Augen hat das auch gute Gründe:

Den fehlenden Vorteilen in der Produktion stehen viele offen Fragen gegenüber: So weigern sich die Hersteller nach wie vor, die Produkthaftung zu übernehmen. Die Haftung bleibt beim Anwender hängen, was völlig unüblich ist und nicht gerade für die Unbedenklichkeit der Produkte spricht. Es ist eine Illusion, zu glauben, dass gentechnisch veränderte Pflanzen sich auf bestimmte Anbauflächen begrenzen ließen.

Und weiter:

Leider ist die Haftungsfrage nicht das einzige rechtliche Problem, das die Grüne Gentechnik für die praktische Landwirtschaft bereit hält, auch wenn sich die politische Diskussion derzeit ausschließlich darum dreht. Mindestens ebenso schwerwiegend ist die Tatsache, dass sich die Hersteller durch das Patentrecht eine dauerhafte Verfügungsgewalt über die Produkte sichern, auf jeden Fall deutlich über die einmalige Aussaat hinaus. Das spielt bei Mais noch keine große Rolle, bei Raps umso mehr. In den USA werden Landwirtschaftsbetriebe bereits dann zur Zahlung von Nutzungsgebühren gezwungen, wenn sich gentechnisch veränderte Pflanzen auf deren Flächen nachweisen lassen. Die Gerichte machen keinen Unterschied, ob die Saat bewusst nachgebaut wurde, bei der letzten Ernte ausgefallen oder vom Feldnachbarn rübergeweht ist.

Schlussendlich erkennt er richtig, dass es darum geht, ob die Landwirte selbständig bleiben oder in Abhängigkeit der Gentechnikkonzerne geraten:

In den kommenden Jahren wird es darum gehen, wer profitiert: die Landwirte, die bis heute durchgehalten und ihre Betriebe entwickelt haben – teilweise unter schwierigen Bedingungen und großen Entbehrungen wie vor allem in der Milchviehhaltung – oder aber die Industrie. Je mehr Landwirtschaftsbetriebe sich durch die Gentechnik in Abhängigkeit von den Konzernen begeben, desto schlechter werden unsere Karten in diesem Spiel. Bei der Abwehr der Grünen Gentechnik handelt es sich um eine Schlüsselfrage der unternehmerischen Freiheit unserer Betriebe, die mindestens ebenso wichtig ist wie die Zurückdrängung der Bürokratie.

Und damit sind seine Forderungen mehr als stringent:

Erstens müssen Lebewesen aus dem Patentrecht herausgenommen werden. In eine Pflanze, die vom Herrgott gebührenfrei mit etwa zehntausend Genen ausgestattet wurde, ein neues Gen einzubauen, ist wie beim Traktor eine Ventilkappe auszuwechseln. Es berechtigt nicht zu Verwertungsansprüchen über die einmalige Leistung hinaus. Zweitens muss die Produkthaftung komplett durch die Hersteller übernommen werden. Alles andere ist Betrug. Auf keinen Fall darf die Haftung auf die Landwirtschaftsbetriebe abgewälzt oder von der Gesellschaft übernommen werden, um eine angebliche Hochtechnologie zu fördern.

Angesichts solcher Aussagen sollte Frau Happach-Kasan dringend noch einmal prüfen, ob sie weiterhin als Lobbyistin für Gentechnikkonzerne auftreten will, oder ob sie sich in bester liberaler Tradition für selbständige mittelständische Unternehmen einsetzen möchte – auch in der Landwirtschaft.

 Veröffentlicht von am 21. August 2007 um 16:18

Electronic Voting als Dauerproblem

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Aug. 212007
 

Elektronische Wahlmaschinen stehen (nicht nur) in den USA seit einiger Zeit zu Recht in der Kritik. Eines der Hauptprobleme ist die mangelnde Nachvollziehbarkeit der abgegebenen Stimmen. So sollen in den USA Geräte eingesetzt worden sein, bei denen es nach Abgabe der Wahl nicht möglich war, nachzuvollziehen, ob die Stimmen richtig zugeordnet wurden. Weiterhin gibt es Berichte, dass in Florida bei Wahlen jede achte abgegebene Stimme aus den Computern verschwand.

Also musste eine Dokumentation der abgegebenen Stimmen her, denn die „Vattenfallisierung“ der Wahlmaschinenhersteller führte zuletzt dazu, dass in Florida die Zulassung für Wahlmaschinen zurück gezogen wurde. Doch mit der Aufzeichnung der Stimmenabgabe in Verbindung mit den Wählerlisten konnten nun mit einem Mal die abgegebenen Stimmen einzelnen Wählern zugerechnet werden, wie heise online heute meldet.

Wie einfach war es doch bisher mit Papier, Bleistift und Urne. Nicht immer machen elektronische Geräte unser Leben leichter…

 Veröffentlicht von am 21. August 2007 um 14:17
Aug. 092007
 

Sparen kann man unter anderem mit dem Wechsel seines Stromanbieters, wie Spiegel Online heute vermeldet. Bei einem angesetzten Sromverbrauch von 4.000 kWh im Jahr können Eckernförder demnach ungefähr 153 € sparen, wenn Sie von den Stadtwerken Eckernförde zur TelDaFax ENERGY GmbH wechseln. Das wäre immerhin eine Ersparnis von knapp 18 Prozent.

Was könnte dagegen sprechen? Vielleicht Lokalpatriotismus oder der Wunsch, dann doch lieber gleich zu einem Ököstromanbieter zu wechseln? Gilt letzteres, dann könnte man sich beispielsweise hier Anregungen holen:

 Veröffentlicht von am 9. August 2007 um 12:56

Elektrosmog statt Kohlendioxid

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Aug. 092007
 

Energiesparlampe

Strahlende Zukunft mit Energiesparlampen? (Foto: pixelio.de)

Zur Zeit ist ja alles im Klimawahn. Kaum darf man noch gepflegt furzen, ohne als Klimagasschädling mit Sofortabschaltung bedroht zu werden. Nun ist es allerdings auch so, dass nichts auf dieser Welt umsonst ist. Wenn wir also Atomkraftwerke abschalten wollen, weil wir das Risiko ihres Betriebs vernünftigerweise nicht auf uns nehmen möchten – und schon gar nicht, wenn sie von solch vertrauenswürdigen Unternehmen wie Vattenfall betrieben werden, dann werden wir uns damit abfinden müssen, dass unsere Kraftwerke mehr CO2 ausstoßen werden. Oder dass wir den Atomstrom aus anderen Ländern importieren – was die Sache nicht wirklich besser macht. Denn kurzfristig werden sich diese Mengen Strom nicht einsparen lassen.

Doch, doch, mag nun der eine oder andere rufen. Wir nehmen dann einfach alle nur noch Energiesparlampen, Glühlampen traditioneller Art lassen wir einfach verbieten. Kann man machen. Vielleicht sollte man dann allerdings den Widerstand gegen den in der Nähe geplanten Mobilfunkmast auch gleich aufgeben. Oder mit dem Kopf in der Mikrowelle schlafen. Telepolis jedenfalls berichtet heute unter dem Titel „Energiesparlampen mit Haken“ davon, dass diese Lampen starke elektromagnetische Strahlung absondern:

[…] „Es sollten nicht nur Energieaspekte sondern auch die gesundheitlichen Aspekte stärker mit einbezogen und gewichtet werden„, so [der Baubiologe Dr. Peter] Kurz im Telepolis-Gespräch.

Derzeit wird ein Abstand von mindestens 1,5 Metern zwischen Körper und Lampe empfohlen, um dem elektromagnetischen Feld auszuweichen. „Dieser Abstand ist zum Beispiel nicht gegeben, wenn unsere Kinder neben der Schreibtischlampe ihre Aufgabe machen oder wenn wir im Schein der Nachttischlampe lesen. Daher ist der Einsatz von Energiesparlampen für diese Bereiche, in denen wir uns lange ganz nahe an der Lichtquelle aufhalten, aus gesundheitlichen Gründen nicht zu empfehlen„, warnt Kurz. […]

Die derzeit am Markt erhältlichen Energiesparlampen würden bedenkliche Werte hochfrequenter Strahlung aufweisen. Kurz verweist auf einen Test der Stiftung Warentest (Magazin1/2006).[…] Fazit: Im Abstand von 30cm (z.B. Nachttisch- oder Schreibtischlampe) liegen alle untersuchten Lampen über dem TCO-Grenzwert für PC-Monitore (10 Volt pro Meter in 30 cm Abstand), der in Ermangelung eines eigenen Grenzwertes für Lampen herangezogen wurde.

[…] 2005 fand [der Baubiologe und Experte für Elektrosmog Wolfgang Maes] bei Messungen (Öko-Test 3/2005) der elektrischen und magnetischen Feldstärke in 30cm Abstand zu Energiesparlampen immerhin noch bis zu 10- bis 20-fach höhere Werte, als laut TCO Norm für Bildschirme zugelassen sind.

[…] Aus Sicht der Umwelt stellt sich aber auch noch ein weiteres ungeklärtes Problem, gibt Kurz zu bedenken:

Die Abfallfrage ist nicht geklärt. Wir haben – anders als bei der herkömmlichen Glühlampe – in der Sparlampe Quecksilber und andere Schwermetalle, die nicht in den Hausmüll gehören. Hier sollte ein verpflichtendes Einsatzsystem angedacht werden. Sonst stehen wir plötzlich vielleicht noch vor einem Schadstoffproblem.

Energiesparen mit der Sparlampe klingt einfach und logisch. Ganzheitlich betrachtet, besteht aber noch eine ganze Menge an Klärungs- und Forschungsbedarf, bevor diese Form der Energieeffizienz auch gesundheitlich und umweltpolitisch als unbedenklich eingestuft werden kann.

Es ist eben nichts auf dieser Welt umsonst.

 Veröffentlicht von am 9. August 2007 um 11:28
Aug. 082007
 

Wenn Christel Happach-Kasan von einem „schwarzen Tag für die Biotechnologie in Deutschland“ spricht, dann muss das neue Gentechnikgesetz einfach auch gute Ansätze haben. Das würde man bei Gesetzen der so genannten „Großen Koalition“ zwar per se erst einmal in Abrede stellen wollen, aber sehen wir uns die Kritik von Frau Happach-Kasan doch einfach einmal ein wenig an:

Insbesondere weil die Haftungsregeln unverändert bleiben, bleibt für die Landwirte die Rechtsunsicherheit des alten Gesetzes bestehen. Das ist völlig inakzeptabel.

Frau Happach-Kasan findet es also „völlig inakzeptabel“, dass derjenige, der in die Freiheit eines jeden Einzelnen eingreift, selbst zu entscheiden, was er isst, dann auch dafür haften soll. Damit spricht sie dem Individuum seine persönlichen Freiheitsrechte ab. Das ganze widerspricht in hohem Maße dem liberalen Weltbild, weil sie sich für die Abschaffung des Selbstbestimmungsrechts des Individuums zugunsten eines irgendwie herbei phantasierten gesellschaftlichen Nutzens ausspricht. Vermutlich gibt sich Frau Happach-Kasan der irrigen Annahme hin, die Verleugnung von Verantwortung für eigenes Handeln sei bereits Wirtschaftsliberalismus. Aber nicht einmal das ist es, es ist schlicht unverantwortlich.

Und eine Haftung für gesundheitliche Schäden sollte wohl eine Selbstverständlichkeit sein. Es ist schließlich kein Landwirt gezwungen, sich durch genmanipulierte Nahrungsmittel in Abhängigkeit von Konzernen wie Mosanto zu begeben und gleichzeitig bewusst gesundheitliche Schäden der Konsumenten in Kauf nehmen. Wer das sehenden Auges mitmacht, muss dann entsprechend des Verursacherprinzips eben auch für die Folgen gerade stehen. Und wer diese Verantwortung ausschließen möchte, fürchtet vielleicht doch einfach mehr Schäden, als er gern zugeben möchte. Denn die Haftung für eine völlig ungefährliche Gentechnik und ihre Folgen sollte doch eigentlich kein Problem sein, oder?

Damit aber nicht genug: Die Festlegung des Mindestabstands beim Anbau von Bt-Mais wird missbraucht, um den Anbau des insektenresistenten, gentechnisch verbesserten Maises maximal zu beschränken. Die berechtigte Kritik am Gesetzentwurf aus Forschung und Wissenschaft sowie von der Land- und Lebensmittelwirtschaft wurde in keiner Weise aufgegriffen.

Frau Happach-Kasan blendet an dieser Stelle selbstverständlich aus, dass es ebenso berechtigte Kritik gab, die geforderten Abstände seien noch zu gering. Sie verschweigt weiterhin, dass Landwirte eigenverantwortlich und gemeinsam entscheiden können, kleinere Abstände zu nutzen. Wenn alle Seiten damit einverstanden sind. Und Frau Happach-Kasan verschweigt, dass es mittlerweile ernsthafte Bedenken bezüglich der gesundheitlichen Auswirkungen von gentechnisch verändertem Mais gibt.

Es wäre eigentlich schön, wenn auch Frau Happach-Kasan endlich entdecken würde, dass Liberalismus einfach mehr ist, als lediglich den Interessen der Großkonzerne hinterher zu hecheln. Im Mittelpunkt sollte vielmehr das Individuum, der Bürger stehen. Und dieser ist heute nicht mehr nur vor dem Zugriff des Staates zu schützen, sondern auch und noch viel mehr vor multinationalen Konzernen, die sich immer mehr jeder staatlichen Kontrolle entziehen und damit selbst eigene staatsähnliche Gebilde werden.

 Veröffentlicht von am 8. August 2007 um 11:18