Jan 292007
 

In der Wirtschaft gibt es so etwas ja schon seit längerem: Konzentration auf die Kernkompetenzen. Das bedeutet, dass ein Unternehmen all die Unternehmensbereiche, die nicht zum Kerngeschäft gehören, abstößt. Und dazu gehört auch oft, dass man die Teile, die man zwar für den Betrieb benötigt, welche aber nicht zum eigenen Geschäftsmodell gehören, nach Möglichkeit nicht mehr selbst betreibt. Stattdessen kauft man die entsprechenden Leistungen auf dem Markt hinzu. Wenn man das richtig anpackt, kann ein Unternehmen damit viel Geld sparen. Nicht nur, weil der Dienstleister selbst günstiger ist, sondern weil man sich auch ganz auf die eigenen Aufgaben und Stärken besinnen kann.

Relativ neu sind solche Überlegungen allerdings bei staatlichen Einrichtungen. So ist der Vertrag mit 25-jähriger Laufzeit, den die Stadt Gladbeck nach einem Bericht des Spiegel mit dem Bauunternehmen Hochtief abgeschlossen hat, eine wahre Pioniertat. Demnach spart die Stadt durch das von Hochtief erbaute und für die Stadt betriebene Rathaus monatlich 37.000 Euro. Denn für ein eigenes Rathaus hätte die Stadt nach Angaben zweier Unternehmensberatungen 184.830 Euro im Monat aufbringen müssen, an Hochtief zahlt die Stadt in den nächsten Jahren lediglich 147.000 Euro. Hinzu kommen allerdings noch Preissteigerungen im Zuge von Inflation. Ob dieses bei der erstgenannten Summe bereits eingerechnet ist, geht aus dem Spiegel-Artikel nicht hervor.

Aus meiner Sicht ist noch nicht abzusehen, ob das Experiment wirklich erfolgreich ist. So wird sich erst in den nächsten Jahren zeigen, wie reibungslos die Zusammenarbeit zwischen der Stadt und dem Dienstleister funktioniert. Wenn es gut läuft, dann wird hier sicherlich eine Entwicklung losgetreten, wie sie sich das Bauunternehmen wünscht. Dann könnten in Zukunft vergleichbare Dienstleister neben den Hausmeistertätigkeiten auch Sekretariatsarbeiten und andere Tätigkeiten übernehmen, die nicht hoheitlicher Natur sind.

Es ist wirklich schön, dass mit Gladbeck eine Gemeinde den Mut – und seit es aus der Not heraus – gefunden hat, solch ein Experiment zu wagen. Bei der im Artikel aufgeführten Möglichkeit, dass Privatunternehmen für den Staat Gefängnisse betreiben können sollen, hoffe ich allerdings auf breiten, energischen Widerstand. Denn die Beschränkung der bürgerlichen Freiheiten für Straftäter fällt eindeutig unter das staatliche Gewaltmonopol – ist somit also eine hoheitliche Aufgabe. Und so etwas gehört mitnichten privatisiert…